Was ist ein Trauma?

Ein Trauma entsteht, wenn ein Mensch eine Situation erlebt, die zu überwältigend, zu bedrohlich oder zu plötzlich ist – und in der er sich hilflos, ohnmächtig oder allein gelassen fühlt. Entscheidend ist dabei nicht nur das Ereignis selbst, sondern wie das Nervensystem diese Situation verarbeitet.
Wenn Kampf oder Flucht nicht möglich sind, schaltet der Körper in einen Überlebensmodus. Die Erfahrung wird nicht vollständig verarbeitet, sondern bleibt als Stress- und Erinnerungsspur im Nervensystem gespeichert.
Ein Trauma ist daher weniger eine Erinnerung an das, was passiert ist, sondern an das, was innerlich nicht zu Ende gebracht werden konnte.

Traumatische Erfahrungen können sein:

  • Unfälle oder medizinische Eingriffe
  • plötzliche Verluste
  • Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung
  • emotionale Überforderung oder dauerhafte Unsicherheit

Trauma zeigt sich oft nicht sofort. Es kann sich später äußern durch:

  • starke Ängste oder innere Unruhe
  • emotionale Taubheit oder Rückzug
  • Übererregung, Reizbarkeit, Schlafprobleme
  • körperliche Beschwerden ohne klare medizinische Ursache
  • das Gefühl, „nicht ganz da“ oder ständig angespannt zu sein

Was ist ein Bindungstrauma?

Ein Bindungstrauma entsteht in den frühen Beziehungen eines Kindes – meist zu den wichtigsten Bezugspersonen. Kinder sind existenziell auf Bindung angewiesen. Sie brauchen Schutz, Verlässlichkeit, emotionale Resonanz und Sicherheit.
Ein Bindungstrauma kann entstehen, wenn:

  • Nähe gleichzeitig Sicherheit und Angst bedeutet
  • Bezugspersonen emotional nicht verfügbar, unberechenbar oder überfordert sind
  • das Kind sich anpassen muss, um Bindung nicht zu verlieren

   Das Kind lernt dann unbewusst:

  • „Ich darf nicht zu viel sein“
  • Ich muss mich anpassen, um geliebt zu werden“
  • „Meine Bedürfnisse sind zu viel“
  • Beziehungsschwierigkeiten
  • starker Verlustangst oder Bindungsvermeidung
  • geringem Selbstwert
  • innerem Druck, es anderen recht machen zu müssen

Was ist ein Entwicklungstrauma?

Ein Entwicklungstrauma entsteht durch anhaltende, wiederholte Belastungen in der Kindheit – besonders dann, wenn das Nervensystem noch nicht ausgereift ist und keine ausreichende Unterstützung vorhanden war.
Im Unterschied zu einem einzelnen traumatischen Ereignis wirkt ein Entwicklungstrauma schleichend und langfristig. Es beeinflusst die Entwicklung von:

  • Selbstregulation
  • Emotionsverarbeitung
  • Körperwahrnehmung
  • Identität und Selbstbild

Ein Entwicklungstrauma kann entstehen durch:

  • emotionale Vernachlässigung
  • dauerhaften Stress oder Unsicherheit
  • fehlende emotionale Spiegelung
  • frühe Überforderung oder Verantwortungsübernahme

Menschen mit Entwicklungstrauma berichten oft:

  • ein dauerhaftes Gefühl von innerer Anspannung
  • Schwierigkeiten, Gefühle zu regulieren
  • das Gefühl, „nicht richtig“ oder „zu viel“ zu sein
  • Probleme mit Nähe, Grenzen oder Selbstfürsorge


Traumaarbeit bedeutet nicht, alles erneut zu durchleben, sondern Sicherheit, Stabilität und Selbstwirksamkeit im Hier und Jetzt aufzubauen.