Seele in Not ?
               
 Petra Fittkau Soziotherapeutin 
 

Für wen ist Psychoedukation Hilfreich?

Psychoedukation ist für Patienten und für Angehörige gedacht. Sie kommt im Prinzip bei allen psychischen Krankheiten und auch bei vielen psychisch belastenden körperlichen Erkrankungen (z.B. Zuckerkrankheit, Tinnitus, Neurodermitis, Asthma, Krebs, AIDS, Herzerkrankungen) in Frage. Allerdings gibt es noch nicht für alle Krankheitsbilder entsprechend ausgearbeitete Therapiekonzepte.

Die meisten Erfahrungen und auch wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit im Bereich der Psychiatrie gibt es bisher für psychoedukative Gruppen bei schizophrenen und schizoaffektiven Psychosen. Psychoedukation ist gerade hier besonders wichtig, da über "Schizophrenie" nach wie vor in der Gesellschaft wenig Wissen vorhanden ist, sie als rätselhafte Krankheit gilt und mit vielen Vorurteilen belegt ist, mit denen die Betroffenen und ihre Familien zusätzlich zu kämpfen haben.

Auch bei depressiven Erkrankungen haben sich psychoedukative Gruppen immer mehr durchgesetzt. Bei vielen weiteren Störungsbildern gibt es mittlerweile ermutigende Konzepte: Manisch-depressiven (= bipolaren) Erkrankungen,  Zwangsstörungen, Angststörungen,  Suchterkrankungen, Ess-Störungen, Persönlichkeitsstörungen, demenzielle Erkrankungen (hauptsächlich für Angehörige).

Warum psychoedukative Gruppen auch für Angehörige?

Über die Hälfte aller Patienten wohnen nach der Klinikentlassung wieder bei ihren Angehörigen. Damit die Angehörigen die anfänglichen Probleme der Patienten, deren Ängste und deren Niedergeschlagenheit besser verstehen können, müssen sie sehr gut über diese Erkrankung informiert werden. Insbesondere müssen die Angehörigen auch gut Bescheid wissen über die erforderlichen Behandlungsmaßnahmen. Um unterscheiden zu können, ob eine bestehende Antriebsschwäche Auswirkung der Erkrankung oder Folge von medikamentösen Nebenwirkungen ist, braucht man ein fundiertes Wissen. Häufig sind die Angehörigen auch verunsichert, ob das Abschotten von Patienten und der Rückzug in die eigenen vier Wände als "Bequemlichkeit" oder Zeichen der krankheitsbedingten Überforderung einzuschätzen ist. Angehörige, die keine Gelegenheit hatten, sich hierzu gezielt zu informieren, geraten im Zweifelsfalle immer wieder in Gefahr, sich "überkritisch, feindlich oder zu überbesorgt" zu verhalten.

Andererseits konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass gut angeleitete Angehörige eine ganz wesentliche Stützfunktion zu Hause besitzen und das Rückfallrisiko bei verschiedenen psychischen Erkrankungen signifikant reduzieren...

Deshalb wäre es geradezu eine Vergeudung des wertvollen Unterstützungsvermögens der Angehörigen, wenn diese nicht in psychoedukativen Gruppen auf ihre "Co-Therapeuten"-Aufgabe vorbereitet würden. In der Regel profitieren Patienten ganz erheblich von der Teilnahme ihrer Angehörigen an psychoedukativen Gruppen.

Für die Angehörigen selbst kann der gemeinsame Erfahrungsaustausch sehr entlastend wirken! Das direkte Erlebnis, dass sich auch andere Familien in der Bewältigung der Erkrankung oftmals überfordert fühlen, kann sehr befreiend und erleichternd wirken. Durch das Beispiel anderer Familien können zudem neue Wege der Bewältigung gefunden werden*.