Seminare, Hypnose & Beratung

 Petra Fittkau

Was ist ein Trauma / PTBS / PTSD

Fight - Flight - Freeze

Die Posttraumatische Belastungsstörung  PTBS, PTSD Psychotraumatische Störungen „entstehen immer als direkte Folge der akuten schweren Belastung ... Das belastende Lebensereignis ist der primäre und ausschlaggebende Kausalfaktor, und die Störung wäre ohne seine Einwirkung nicht entstanden” (ICD-10).  

z.B  sexuallisierte Gewalt, Unfälle, Überfälle, Naturkatastrophen, Geiselnahmen.

Überlebende, Angehörige und Helfer sind schwer traumatisiert. Für Opfer oder Beteiligte an Überfällen, Geiselnahmen, Unfällen oder Vergewaltigungen ist die Welt von einer Sekunde auf die nächste nicht mehr in Ordnung.    

Die Symptome von PTBS wurden und werden immer noch mißverstanden oder gar nicht diagnostiziert. Es gibt Schätzungen, daß bis zu 10% der Bevölkerung  einmal im Leben unter einer PTBS leiden. Bei manchen Menschen verschwinden die Symptome von selber im Verlauf der Zeit, bei anderen bleiben sie über viele Jahre erhalten. Spätestens dann ist eine fachmännische Hilfe erforderlich. Zentrales Gefühl ist die Hilflosigkeit, das Selbstvertrauen und Vertrauen werden erschüttert.

Schuldgefühle, für das Ereignis oder seinen Ausgang verantwortlich zu sein. Das Gefühl der Ungerechtigkeit oder Verletzung persönlicher Regeln durch Andere. Schamgefühl, eigene bedeutsame Regeln verletzt zu haben. Trauer, das Gefühl etwas Bedeutsames verloren zu haben.

Flashbacks: Man handelt oder fühlt so, als ob sich das traumatisierende Ereignis gerade wieder ereignen würde (dazu gehört z. B. das Gefühl, das Ereignis wiederzuerleben - 'ein Film läuft immer in mir ab' - , Illusionen, Halluzinationen, Intrusionen:    ... sind sich aufdrängende, belastende Traumaerinnerungen in Form von Bildern, Empfindungen, Flashbacks und Alpträumen: plötzliche und 'lebendige' Erinnerungen, die 'mich überwältigen'.

Vermeidung: Vermeidung von Orten, Tätigkeiten, Stichworten, die etwas mit dem Ereignis zu tun haben: Vermeidung von Gedanken, Gefühlen, oder Gesprächen, die das Trauma zum Thema haben Vermeidung von Tätigkeiten, Orten oder Menschen, die an das Trauma erinnern.

Die Unfähigkeit, sich an wichtige Details der Situation zu erinnern. Die Unfähigkeit, Trauer, Verlust oder Ärger während des traumatisierenden Ereignisses bewirkt, daß das Trauma auch weiterhin nachwirkt, ohne daß das dem Opfer bewußt wäre. Depression und sogar Schuldgefühle (weil man z.B. als einziger einen Unfall überlebt hat) sind oft die Folgen.

Emotionale Taubheit : Enge emotionale Bindungen mit Familie, Freunden und Kollegen werden vermieden. Die Gefühle sind allgemein vermindert, eingeschränkt, allenfalls werden routinemäßige und 'mechanische' Aktivitäten zu Ende geführt.

Hyperarousal Symptome der Übererregung: z.B. Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, erhöhte Reizbarkeit, mangelnde Affekttoleranz. Schwierigkeiten einzuschlafen, Iritierbarkeit oder Ausbrüche von Ärger, Konzentrationsschwierigkeiten, Hypervigilanz (erhöhte Aufmerksamkeit), Erhöhte Schreckreaktion.

Man lebt so, als ob man immer noch aktuell durch das traumatisierende Ereignis bedroht würde. Man wird dadurch irritierbar oder 'explosiv', auch wenn man gar nicht provoziert wurde. Viele Opfer versuchen sich selber zu 'behandeln' , indem sie ihre Einsamkeit und ihre Panikattacken mit Alkohol oder anderen Drogen bekämpfen.

Dissoziationen: Das Ereignis und das oder die dazugehörigen Gefühle werden voneinander gespalten. Dissoziationen ermöglichen als Abwehr- oder Bewältigungsmechanismus einen Schutz vor ansonsten überwältigenden Gefühlserfahrungen. Diese Abwehr selber birgt aber die Gefahr von grundlegenden Veränderungen des Selbst- und Identitätsgefühls, der Störung der Funktionen des Gedächtnisses und auch der Selbst- und Umweltwahrnehmung. Durch all dies kann eine konstruktive Bewältigung und Überwindung des Traumas beeinträchtigt werden.

Das Konzept des psychischen Traumas als Verursacher von pathologischen dissoziativen Phänomenen fand dann in den 70er Jahren weite Verbreitung, als in der Folge des Vietnamkriegs gehäuft Kriegsteilnehmer mit psychopathologischen Störungen auftraten. Da es sich dabei häufig um hochdekorierte Soldaten oder um Freiwillige handelte, konnte diese nicht mehr, wie nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg z.B. die sog. "Kriegszitterer" als "Simulanten" oder "Rentenerschleicher" abqualifiziert werden.Traumaerfahrung kann sich in verschiedener Form zeigen.

Von einem seelischen Trauma spricht mann , wenn die Symptomatik länger als 6 Wochen andauert und eine wesentliche Einschränkung der Lebensqualität spürbar ist.

Akute PTBS / Posttraumatische Belastungsstörung  = die Symptome treten bis zu drei Monate lang auf 

Chronische PTBS / Posttraumatische Belastungsstörung   = die Symptome treten länger als drei Monate auf.

Behandlung

1. Stabilisierungsphase

In dieser Phase ist es wichtig, eine gute, Sicherheit vermittelnde therapeutische Beziehung aufzubauen. Den Patientinnen wird dabei geholfen, ihre innere, zwischenmenschliche und äußere Sicherheit wieder zu erlangen. Sie lernen, mehr Kontrolle über die Symptomatik und das eigene Verhalten zu entwickeln. Besonders wichtig ist es oft, den PatientInnen viele Sach-Informationen über die Ursache ihrer Störung, der folgenden Symptomatik und insbesondere auch über die Tatsache der Normalität ihrer Reaktion zu geben. Eigenverantwortung und eigene Fähigkeiten der Patientinnen werden konsequent gefördert. Mit Hilfe von Imaginationsübungen erlernen die Patientinnen, mit der überflutenden Symptomatik von Flashbacks, Alpträumen und deren körperlichen Begleitreaktionen umzugehen.Die Erfahrung, durch die Imaginationsübungen und Anderes selbst zur eigenen Heilung beizutragen und damit mehr Eigenverantwortung und Eigensteuerung zu übernehmen, stärkt das Bewußtsein für die eigene Kraft und eigene Kompetenz. Mit diesen Methoden machen die PatientInnen insbesondere Erfahrungen, die sie aus der Therapiestunde mit nach Hause nehmen und dort weiter für sich nutzen können.In Einzelgesprächen werden neben Diagnostik und Therapieplanung die gemachten Erfahrungen vertieft und besprochen. Falls eine Symptomatik mit selbstschädigendem Verhalten besteht (z.B. Selbstverletzung, Suchtmittelkonsum) wird in einer Vertragsarbeit alternatives Verhalten erarbeitet. Ggf. wird die Behandlung mit Medikamenten unterstützt, so z. B. bei starken Depressionen, Schlafstörungen oder Unruhezuständen.

Das Bearbeiten der traumatischen Erlebnisse soll nach guter Vorbereitung nur im therapeutischen Rahmen stattfinden.Für einige Patientinnen sind Angebote in Körperwahrnehmung, Spannungsreduktion und Selbstfürsorge sehr hilfreich. Das Erlernen z.B. der Progressiven Muskelrelaxation und des autogenen Trainings, das Erarbeiten eines 'inneren sicheren Ortes' unterstützen ebenfalls die Selbstberuhigungsfähigkeiten der Patientinnen.

Manchmal müssen in dieser Therapiephase schwierige Lebensumstände geklärt werden. Dazu bieten sich ggf. Familien- oder Paargespräche sowie eine sozialarbeiterische Unterstützung an. Die Dauer dieser Phase ist je nach Zeitpunkt und Art der Traumatisierung sehr unterschiedlich. Manche Patientinnen fühlen sich nach dem erfolgreichen Durchlaufen dieser Phase stabilisiert genug, um in ihren Alltag zurückzukehren. Manche kommen später zu einer gezielten Traumabearbeitung zurück in die Therapie oder es schließt sich direkt die zweite Phase der Traumatherapie an.

2. Traumabearbeitungsphase

Die Methoden der Stabilisierungsphase werden während der ganzen Therapie fortgesetzt. Die Phase der Traumabearbeitung und die Phase der Stabilisierung können sich im Verlauf der Behandlung immer wieder abwechseln.Die Traumabearbeitung erfolgt durch ein strukturiertes, dosiertes und kontrolliertes Wiedererleben zentraler Aspekte des Traumas. Dadurch wird der Verarbeitungsprozeß der traumatischen Erlebnisse weiter fortgesetzt, die Speicherung der Traumata im Gehirn verändert sich, durch Wiedererleben kommt es zur Integration dieser Erfahrungen in die Gesamtpersönlichkeit.Die Konfrontation mit dem Trauma führen wir mit den Methoden der Screen- bzw. Bildschirmtechnik aus. Das wesentlich bei der Bildschrimtechnik ist, daß die Betroffenen keine Retraumatisierung durch einen erneuten Kontrollverlust erleiden, die Kontrolle des Patienten über den Prozeß hat Vorrang. Bei der Bildschirmtechnik wird das traumatische Erlebnis nochmals gezielt und gesteuert kurzfristig erlebt, so daß eine Synthese aus Wort, Bild, Affekt und Körpersensation erreicht wird. Dabei kommt es auch zur Veränderung der Bewertung der Situation und der eigenen Rolle in dem Geschehen. Dies führt zu einer Selbstwertstärkung, so daß im Laufe des therapeutischen Prozesses die Vorstellung, ein passives Opfer zu sein zu der eine aktiv handelnde Überlebende zu sein wechselt. Es entwickelt sich wieder mehr Selbstvertrauen in die eigene Person und die eigenen Fähigkeiten.

3. Integrationsphase

In der 3. Therapiephase, die eher einer 'normalen' Psychotherapie ähnelt, geht es um die weitere Verarbeitung im Sinne von Integration des Geschehenen. Häufig muß Trauerarbeit geleistet werden, das Selbsterleben und Lebensgefühl hat sich verändert, so daß neue Bewältigungsstrategien entwickelt werden müssen. Wichtig ist, daß die Patientinnen sich wieder stark und im Besitz ihrer Kräfte fühlen, so daß sie angemessene Entscheidungen für ihr weiteres Leben fällen können.

Für Angehörige von Kindern und Jugendlichen

Auch Kinder und Jugendliche, die ein Trauma erlebt haben, können nach dieser extrem belastenden Erfahrung an Ängsten, Hilflosigkeit, Verlust der Orientierung und Erschrecken leiden.Je jünger Kinder sind, je mehr sind sie grundsätzlich auf die hilfreiche Unterstützung von wohlwollenden Erwachsenen angewiesen. Sie brauchen das Gefühl, sich auf die Mutter, den Vater, die Großeltern und die Freunde  verlassen zu können.  

Folgende veränderte Verhaltensweisen und Beschwerden können bei Kindern und Jugendlichen auftreten:

Das Kind spielt immer wieder die gleiche Situation ohne das sich etwas verändert Kind reagiert ohne erkennbaren äußeren Anlass, zerstört z.B. Gegenstände, beginnt plötzlich heftig zu weinen oder zu schreien, klammert sich plötzlich ganz fest oder versucht wegzulaufen. Das Kind schreit nachts im Schlaf, manchmal ohne davon zu erwachen.Das Kind schaut mit durchdringendem Blick ins Leere, reagiert nicht auf Ansprechen.Das Erlebte läuft wie ein Film immer wieder „vor dem inneren Auge“ ab Teile des Erlebten tauchen immer wieder als Bilder „vor dem inneren Auge“ auf. Kinder wollen nicht mehr richtig spielen, auch nicht das Lieblingsspiel.

Die Kinder zeigen ein verändertes Essverhalten, werden still und ziehen sich zurück von ihren Spielkameraden und den Eltern. Die    Kinder wirken wie betäubt, scheinbar teilnahmslos und gleichgültig ihrer Umwelt gegenüber oder zeigen bisher unbekannte heftige aggressive Reaktionen. Sie vermeiden alles, was an das schlimme Erlebnis erinnern könnte (auch darüber zu reden),Kinder nässen/koten wieder ein, obwohl sie schon länger sauber waren. Die Kinder sprechen wieder, wie sie als jüngere Kinder gesprochen haben, klammern, wollen sich aus der sicheren häuslichen Atmosphäre nicht entfernen und in den Kindergarten oder die Schule gehen, haben Angst, sich zu trennen, haben häufiger Bauch- oder Kopfschmerzen, können abends nicht einschlafen oder wachen nachts immer wieder auf,  zeigen wieder oder erstmals Dunkelangst.  Sie können eine motorische Unruhe zeigen oder sind wie erstarrt.  Sie  können sich schlecht konzentrieren, zeigen auf Dauer schlechtere schulische Leistungen, die  Kinder erinnern sich zwar an Details des Geschehens, können sich aber Alltagsdinge nicht mehr merken. Sie erschrecken sich bei Geräuschen oder Situationen, die sie früher nicht erschreckt haben,   Jugendliche, beginnen Alkohol zu trinken oder andere Drogen zu nehmen. Je nach Ausmaß der Betroffenheit können Anzahl und Ausprägung der Beschwerden unterschiedlich sein. Auch Kinder und Jugendliche verfügen über Selbstheilungskräfte, können sich allmählich erholen. Um diese Selbstheilungs- und Verarbeitungsprozesse zu fördern, sollte Folgendes beachtet werden: Es ist immer die gesamte Familie mit betroffen. Nehmen Sie sich als Familie eine Auszeit, unterstützen sie Ihr KInd, indem Sie sich mit Dingen beschäftigen, die Ihnen vor dem Ereignis gut getan haben Sorgen Sie als Eltern auch gut für sich, suchen Sie fachkundige Unterstützung für ihre Familie, wenn Sie spüren, dass die Last zu groß wird. Überfordern Sie sich nicht mit dem Anspruch, keinen Fehler machen zu dürfen und alles verstehen zu müssen.Erlauben Sie Ihren Kindern Ihre Betroffenheit und Ihre Gefühle zu sehen Versuchen Sie den Tagesablauf so zu gestalten, wie er dem Kind vertraut ist, d.h. nach Möglichkeit feste Essens- und Schlafenszeiten . Informieren Sie den Kindergarten oder die Schule darüber, das Ihr Kind diese extrem belastende Erfahrung gemacht hat.

Fragen Sie Ihr Kind  nicht aus nach dem Erlebnis, sondern bieten Sie sich vielmehr als Zuhörer an, wenn ihr Kind von sich aus das Thema anspricht. Unterstützen Sie Ihre Kinder, wenn andere Menschen das veränderte Verhalten ihres Kindes nicht respektieren.